„Der Versuch, eine Katze vom Tierschutzverein aufzunehmen“
oder „Der Wert einer Katze“
Ein verregneter Dienstagnachmittag im April 2010, ich sitze vor meinem Computer und bin auf der Suche nach einer Katze. Nein, nicht nach irgendeiner Katze – einer ganz speziellen Katze! Nämlich einer armen Socke vom Tierschutzverein, der ich gern ein neues Zuhause geben möchte. Warum, mag sich der geneigte Leser fragen, man ist doch renommierte Orientalenzüchterin? Sicherlich. Aber: Katze ist Katze. Und es ist sch*egal, von welcher Rasse, sie sind alle gleich viel wert. Zudem habe ich eine Wette gegen meine beste Freundin verloren. Selbige meinte, ich solle mal wieder eine Quotenkatze aufnehmen, schließlich seien alle Not“felle“, um die ich mich in letzter Zeit gekümmert habe, gut vermittelt. Gesagt, getan, ganz unrecht hat sie nicht, meine beste Freundin, also machen wir uns doch mal auf die Suche. Kuschefell solle es haben und große Füße, meinte sie. Eine Maine Coon o.ä. sei toll. Aber wenn es ne arme Socke sei, sei ihr auch das egal, Hauptsache, die Katze habe eine Luxuszukunft. Und die kann ich ja nun wahrlich garantieren; wer mich kennt, weiß, dass nicht mal mein eigener Ehemann über den Katzen steht.
Noch während ich hier sitze und schreibe, klingelt mein Telefon: „Hier ist die Frau O. aus München.“ Schön, denke ich, dann kann ich doch jetzt, nachdem ich mich etwas davon erholt habe, ein derartiges Brett gefasst zu haben, mal meinem Ärger Luft machen, dass man mich offensichtlich für so ein Mixvermehrer-Pack hält, was verantwortungsbewussten Züchtern Ruf und Preise kaputt macht. „Wir geben nicht an Züchter ab, wir holen nur Katzen bei Züchtern raus!“ – „Stop!“ – „auch mein Tonfall kann verregnete April-Außentemperaturen annehmen – „Sie reden von Vermehrern, nicht von Züchtern! Das ist ein ganz gravierender Unterschied, und ich verbitte mir, mit selbigen in einen Topf geworfen zu werden!“ Frau O. lenkt ein und meint, es sei bei ihnen halt nun mal ein Prinzip, sie könne da nichts machen. Sie habe selber Freunde, die Züchter seien – Züchter, nicht Vermehrer – und sie sei, als reines Beispiel, außerdem auch keine Vegetarierin und würde sogar damit in ihren eigenen Reihen Anstoß erregen. Ok, stelle ich fest, wir sind bei einem Extremisten-Haufen gelandet. Immerhin kennt die Dame den Unterschied zwischen Züchtern und Vermehrern, was mich zwar nicht mit der Tatsache versöhnt, von ihrer Kollegin eine eiskalte Dusche gefasst zu haben, aber immerhin erfahre ich etwas über die Hintergründe des Prinzips „Wir geben niemals Tiere an Zücher ab“: Es gibt wohl Züchter, die ihre ausgedienten Zuchtkatzen an selbige private Organisation zur Vermittlung gegen Schutzgebühr abgeben und mit jenen Züchtern arbeite man zusammen, damit auch Ottonormalverbraucher mal in den Besitz einer Rassekatze gelangen könne, ohne horrende Jungtierpreise zu zahlen. Ich finde zwar, dass das die Aufgabe eines jeden Züchters selber ist, seine „Ausrangierten“, sofern er sie denn nicht behalten kann oder will, gut (und eben auch günstig, denn für gute Plätze für erwachsene Tiere kann man verdammt dankbar sein!) zu vermitteln, aber die Bayern können ja recht froh sein, dass ihnen dieser „Service“ geboten wird. Auch wenn ich es ganz und gar nicht gut finde, dass sich besagte Züchter damit aus der Verantwortung für ihre „Ausrangierten“ ziehen. Während Frau O. mir weitere „gute Gründe“ darlegt, warum ihre Organisation nichts mit Züchtern zu tun haben will, danke ich im Geiste meiner guten Sandra aus Duisburg, zu der ich über kurz oder lang meinen aktuellen Deckkater Abraxas „ausrangieren“ darf, auf den sie sich schon jetzt wahnsinnig freut...
Jedenfalls könnte man fast meinen, Frau O. hätte nicht den schlechtesten Eindruck von mir. Fast kommt es mir so vor, als seien ihr durch ihre vegetarischen Kolleginnen etwas die Hände gebunden, aber dies soll nicht mein Problem sein – jedenfalls hätte eines der erwähnten Mixkätzchen hier sicher eine Luxuszukunft haben können, wenn es nach mir gegangen wäre. Nun, so wird die glückliche Quotenkatze eben ein anderes Kätzchen sein. Entweder eines „mit Kuschelfell und großen Füßen“ oder irgendeine arme Socke vom Tierschutzverein. Eines ist mal klar: Ich kaufe gern bei einem seriösen Züchter. Genauso gern nehme ich eine arme No-Name-Socke auf. Aber ich kaufe ganz sicher niemals bei einem Massenvermehrer. Und das Motto „Geiz ist geil“, das kann man sich direkt abschminken, wenn man eine Katze aufnehmen möchte. Vielleicht sollte ich demnächst auch mal meine Preisgestaltung für ein Jungtier detailliert auflisten... denn Eines darf man nicht vergessen: Ein gut aufgezogenes Jungtier hat seinen Preis! Unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Tier orientalischer oder europäischer oder was-weiß-ich-für-einer Rasse handelt – die „ordinäre Hauskatze“ ist nicht weniger wert als die hochprämierte Orientalin!!!
Wer tiefer in die Thematik „Züchter und Vermehrer“ einsteigen möchte und warum sich Geiz beim Katzenkauf nicht lohnt, dem sei die folgende Website ans Herz gelegt: