„Der Versuch, eine Katze vom Tierschutzverein aufzunehmen“
oder „Der Wert einer Katze“
 
 
Ein verregneter Dienstagnachmittag im April 2010, ich sitze vor meinem Computer und bin auf der Suche nach einer Katze. Nein, nicht nach irgendeiner Katze – einer ganz speziellen Katze! Nämlich einer armen Socke vom Tierschutzverein, der ich gern ein neues Zuhause geben möchte. Warum, mag sich der geneigte Leser fragen, man ist doch renommierte Orientalenzüchterin? Sicherlich. Aber: Katze ist Katze. Und es ist sch*egal, von welcher Rasse, sie sind alle gleich viel wert. Zudem habe ich eine Wette gegen meine beste Freundin verloren. Selbige meinte, ich solle mal wieder eine Quotenkatze aufnehmen, schließlich seien alle Not“felle“, um die ich mich in letzter Zeit gekümmert habe, gut vermittelt. Gesagt, getan, ganz unrecht hat sie nicht, meine beste Freundin, also machen wir uns doch mal auf die Suche. Kuschefell solle es haben und große Füße, meinte sie. Eine Maine Coon o.ä. sei toll. Aber wenn es ne arme Socke sei, sei ihr auch das egal, Hauptsache, die Katze habe eine Luxuszukunft. Und die kann ich ja nun wahrlich garantieren; wer mich kennt, weiß, dass nicht mal mein eigener Ehemann über den Katzen steht.
 
Nun gut – man fand einen Wurf Mixkätzchen, vorübergehende Adresse: Eine private Tierschutzinitiative in Veitsbronn, Bayern. Immerhin, seit August 2009 als Verein eingetragen. 300 km von hier. Na egal, eine Katze ist jede Fahrerei wert und sowieso jeden Preis, egal ob Rassetier oder nicht. Und es wäre eine gute Tat. Also schnappe ich mir das Telefon. Die Begrüßung fiel herzlich aus, nach Erwähnung des Sachverhaltes „ich bin Züchterin“ kühlte der Tonfall auf verregnete April-Außentemperaturen ab.  „Ja, sind Ihre Katzen denn dann alle kastriert und geimpft und wie viele haben Sie denn?!“ -„Ähm, wie gesagt, ich bin Züchterin. Von meinen 12 Katzen sind 9 kastriert. Und natürlich sind sie geimpft!“ – Mir geht schon durch den Kopf, ob man mich etwa für einen Massenvermehrer halte...? Aber dem kann ich einen Riegel vorschieben, denke ich. Ich gebe der Dame am Telefon den Link zu meiner Website, sie schaut auch direkt nach. Beredtes Schweigen am anderen Ende der Leitung. Ich versuche, das Gespräch wieder in Gang zu bringen und weise darauf hin, dass ich ja nun auch reichlich Erfahrung mit Notfallkatzen habe und selber als Tierarzthelferin arbeite, also nicht völlig unbedarft bin. „Eine nierenkranke Katze haben Sie und zwei mit chronischem Schnupfen, sagen Sie? Das ist doch kein Notfall! Wir haben hier eine Maine Coon mit gelähmten Hinterläufen. DAS ist ein Notfall! Wir haben hier eine, der musste vor ein paar Tagen ein Auge entfernt werden! DAS ist ein Notfall!“ – „Ich arbeite beim Tierarzt, ich sehe Vieles. Und viele, die keine Notfälle im medizinischen Sinne sind, oder sogar kerngesund sind, finden trotzdem kein Zuhause, oder sehe ich das falsch?“ – „Bei welchem Tierarzt arbeiten Sie denn?“ – Auf meine Frage nach der Definition von Notfällen wird nicht eingegangen, ich gebe meinen Arbeitgeber bekannt. Es wird fleißig mitgeschrieben. Ich setze noch einen drauf und gebe die Tierschutzorganisationen an, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe – schade nur, dass mir in diesem Stadium des Gesprächs schon nicht mehr einfällt, darauf hinzuweisen, dass sich auf der ersten Seite meiner Website ein amtstierärztliches Gutachten bezüglich meiner Tierhaltung befindet und dass ich meine Zucht offiziell „amtstierärztlich kontrolliert“ nennen darf. Man hat mich offensichtlich längst in die Schublade „Züchter sind allesamt verantwortungslose Vermehrer“ gesteckt. Ich gehe in die Offensive und frage, ob man denn überhaupt an Züchter vermittle, denn natürlich, die Quotenkatze soll kastriert sein, ich will schließlich keine Mixe züchten! „Nein. Außerdem: Sie haben 12 Katzen und Sie sind selber trächtig. Also da sagen wir generell nein. Sie können ja noch mal die Frau O. anrufen, bei der sind die Kätzchen, aber die wird Ihnen auch nichts Anderes sagen!“ Ich kann spontan darauf verzichten, diesen Anruf auch noch zu tätigen. Eine kalte Dusche pro Tag reicht mir völlig.
 
Noch während ich hier sitze und schreibe, klingelt mein Telefon: „Hier ist die Frau O. aus München.“ Schön, denke ich, dann kann ich doch jetzt, nachdem ich mich etwas davon erholt habe, ein derartiges Brett gefasst zu haben, mal meinem Ärger Luft machen, dass man mich offensichtlich für so ein Mixvermehrer-Pack hält, was verantwortungsbewussten Züchtern Ruf und Preise kaputt macht. „Wir geben nicht an Züchter ab, wir holen nur Katzen bei Züchtern raus!“ – „Stop!“ – „auch mein Tonfall kann verregnete April-Außentemperaturen annehmen – „Sie reden von Vermehrern, nicht von Züchtern! Das ist ein ganz gravierender Unterschied, und ich verbitte mir, mit selbigen in einen Topf geworfen zu werden!“ Frau O. lenkt ein und meint, es sei bei ihnen halt nun mal ein Prinzip, sie könne da nichts machen. Sie habe selber Freunde, die Züchter seien – Züchter, nicht Vermehrer – und sie sei, als reines Beispiel, außerdem auch keine Vegetarierin und würde sogar damit in ihren eigenen Reihen Anstoß erregen. Ok, stelle ich fest, wir sind bei einem Extremisten-Haufen gelandet. Immerhin kennt die Dame den Unterschied zwischen Züchtern und Vermehrern, was mich zwar nicht mit der Tatsache versöhnt, von ihrer Kollegin eine eiskalte Dusche gefasst zu haben, aber immerhin erfahre ich etwas über die Hintergründe des Prinzips „Wir geben niemals Tiere an Zücher ab“: Es gibt wohl Züchter, die ihre ausgedienten Zuchtkatzen an selbige private Organisation zur Vermittlung gegen Schutzgebühr abgeben und mit jenen Züchtern arbeite man zusammen, damit auch Ottonormalverbraucher mal in den Besitz einer Rassekatze gelangen könne, ohne horrende Jungtierpreise zu zahlen. Ich finde zwar, dass das die Aufgabe eines jeden Züchters selber ist, seine „Ausrangierten“, sofern er sie denn nicht behalten kann oder will, gut (und eben auch günstig, denn für gute Plätze für erwachsene Tiere kann man verdammt dankbar sein!) zu vermitteln, aber die Bayern können ja recht froh sein, dass ihnen dieser „Service“ geboten wird. Auch wenn ich es ganz und gar nicht gut finde, dass sich besagte Züchter damit aus der Verantwortung für ihre „Ausrangierten“ ziehen. Während Frau O. mir weitere „gute Gründe“ darlegt, warum ihre Organisation nichts mit Züchtern zu tun haben will, danke ich im Geiste meiner guten Sandra aus Duisburg, zu der ich über kurz oder lang meinen aktuellen Deckkater Abraxas „ausrangieren“ darf, auf den sie sich schon jetzt wahnsinnig freut...
 
Jedenfalls könnte man fast meinen, Frau O. hätte nicht den schlechtesten Eindruck von mir. Fast kommt es mir so vor, als seien ihr durch ihre vegetarischen Kolleginnen etwas die Hände gebunden, aber dies soll nicht mein Problem sein – jedenfalls hätte eines der erwähnten Mixkätzchen hier sicher eine Luxuszukunft haben können, wenn es nach mir gegangen wäre. Nun, so wird die glückliche Quotenkatze eben ein anderes Kätzchen sein. Entweder eines „mit Kuschelfell und großen Füßen“ oder irgendeine arme Socke vom Tierschutzverein. Eines ist mal klar: Ich kaufe gern bei einem seriösen Züchter. Genauso gern nehme ich eine arme No-Name-Socke auf. Aber ich kaufe ganz sicher niemals bei einem Massenvermehrer. Und das Motto „Geiz ist geil“, das kann man sich direkt abschminken, wenn man eine Katze aufnehmen möchte. Vielleicht sollte ich demnächst auch mal meine Preisgestaltung für ein Jungtier detailliert auflisten... denn Eines darf man nicht vergessen: Ein gut aufgezogenes Jungtier hat seinen Preis! Unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Tier orientalischer oder europäischer oder was-weiß-ich-für-einer Rasse handelt – die „ordinäre Hauskatze“ ist nicht weniger wert als die hochprämierte Orientalin!!!
 
Wer tiefer in die Thematik „Züchter und Vermehrer“ einsteigen möchte und warum sich Geiz beim Katzenkauf nicht lohnt, dem sei die folgende Website ans Herz gelegt: